Tierasyle in
Spanien
Besuch bei Asociacion LARA, Madrid vom 12./13.3.2007
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Nachdem wir nun mehr als drei Jahre bereits mit Mercedes von LARA Madrid zusammenarbeiten, wollte ich den Kopf aller Organisationen, das Organisationstalent für die Flüge und die Seele der Organisation LARA persönlich kennenlernen. Ich überwand meine lang gehütete Flugangst und flog zusammen mit einem Freund nach Madrid. Mercedes holte uns am Flughafen ab.
Mit ihrem Kleinauto, dessen Frontscheibe einen ellenlangen Sprung aufweist, den Mercedes nicht flicken lassen will, weil das Geld sonst nicht zu den Katzen kommt, das dafür ausgegeben werden müsste, tauchen wir ein in Madrids Verkehrslage – ohjeeeeee, nie mehr werde ich über Verkehrschaos auf Schweizer Strassen fluchen, nie mehr über chaotische AutolenkerInnen und unser Feierabend Verkehr ist ein Sonntagsspaziergang gegenüber dem Meer von vollkommen chaotisch fahrender Autos, die kreuz und quer über die vier- bis sechsbahnige Autobahn hin und herkurven, teils ohne blinken und das in einem Tempo von rund 100 km/h! Mercedes fährt in einer absoluten Bierruhe, eine Hand laufend am Schalthebel und manchmal mit der gleichen hand die Richtung erklärend – denn Mercedes kann nicht sprechen! Vier verpfuschte Operationen an der Schilddrüse haben ihre Stimmbänder zerstört, sie kann nur noch püriertes Essen per Löffel zu sich nehmen, hat keinen Geruch mehr – kurz, ihre gesamte Halsregion ist zerstört. Eine fünfte Operation will diese sonst so tapfere, energievolle Frau nicht mehr wagen…..:-/, die ihre ganze Lebenskraft in das Projekt LARA hineingesteckt hat und ebenso fast ihr ganzes Geld, das sie sich mit Büroarbeit verdient. Wir wechseln Autobahnen, fahren an Industriegebieten vorbei, am Rand von Madrid durch und sind plötzlich in einem Aussenquartier. Liegt hier LARA?
Jacques, der LARA schon einmal gesehen hat und mich auch schon einige Zeit lang kennt, bereitet mich vor. „Weißt Du, Du kannst das nicht vergleichen mit irgend einem Schweizer Tierheim. Hier ist alles anders, es fehlt an allem – aber Du wirst sehen, die Katzen haben es gut, sie sind gepflegt, haben genug zu essen – es ist halt alles sehr eng und klein und …..“ auch der Vorort liegt hinter uns. Nach etwa einer Dreiviertelstunde Fahrt kommen wir dann in eine seltsame Gegend, eine Art Baubaracken, Kleingewerbe – aber alles scheint verlassen – säumt die nun normale Landstrasse und irgendwo biegt Mercedes in eine holperige, staubige und enge Naturstrasse ein. Mein Freund Jacques zeigt auf eine Blechtür in einer Mauer, an der wir vorbeifahren und dann gleich rechts einbiegen und anhalten „LARA!“……. Wir steigen aus, Mercedes setzt ihr Auto nahe an die Gebüsche an den Mauern und Gittern, hinter denen einige Hühner und ein Güggel herumspazieren, und steigt aus. Sie lacht uns an, schreibt auf einen der vielen Zettel, die sie in einem kleinen Bauchtäschli mitführt „C’est LARA, Loli nous attend – tu verras…“ Hier ist Lara, Loli erwartet uns“. Jacques spricht einwenig spanisch, Loli kann offenbar englisch – so werden wir uns, nachdem Mercedes französisch recht gut schreibt, alle verständigen können…. LARA – ich habe mir viele Vorstellungen von der Aufnahmestation LARA gemacht, dachte an verschiedene Tierheime in meiner Wohnregion, auch die ärmlichen, die ich kenne, hatte auch an die Armut in Spanien gedacht, wo Hunde und Katzen nichts wert sind, man sie in den Tötungsstationen nach zwei bis drei Wochen Aufenthaltsdauer einfach vergast, egal, ob jung oder alt, gesund oder krank – und die, die in die Tötungsstationen kommen, sterben noch „human“ – was auf der Strasse landet, wird erschossen, vergiftet, überfahren, jeder kämpft gegen die eigenen Artgenossen ums Ueberleben. Erwischt ein Hunderudel Katzen, so sterben diese chancenlos, werden bei lebendigem Leib zerrissen – hier gilt das Gesetz des Stärkeren und nur dieser überlebt ohne Hilfe von aussen. – Kleinkatzen sind herzig und vielfach kauft man sich ein Katzenkind, man verschenkt eines zu Weihnachten, Ostern, Geburtstag….Rassekatzen bekommt man in Spanien in jedem Laden!
Es liegt in der Natur des Tieres, dass dieses wächst, grösser wird, Ansprüche stellt – und irgendwann wird eine Katze halt auch geschlechtsreif. Wenn man die Zeit für die Kastration respektive Sterilisation verpasst hat – und das ist hier in Spanien offenbar zu mehr als 90% der Fall – wird der Kater unsauber, die Katze fängt an zu rollen und Freigängerkatzen werden schwanger – das ist dann der Moment, wo diese Tiere trotz Trächtigkeit irgendwo ausgesetzt werden. Diese Katzen, vorher geliebt und umsorgt, müssen nun irgendwo in einem Hinterhof gebären, ihre Jungen versorgen – diese werden oft von Hunden gefressen, welche halt auch Hunger haben, verwildert sind. Die Anwohner verjagen die Tiere, treten sie, werfen mit Steinen nach ihnen…… Wenige Menschen nur haben ein Herz für Tiere und diese alarmieren dann die wenigen Mitarbeiterinnen von LARA, der einen Auffangorganisation in Madrid, die von Spenden lebt, in einer Art Verein organisiert ist. Doch ohne Mercedes wäre LARA undenkbar – auch der Import von Katzen aus LARA und befreundeten Stationen in ganz Spanien undenkbar. Mercedes hat die Kontakte, organisiert die Flüge, wirbt Flugpaten an, nimmt Tiere auf, versorgt sie medizinisch zusammen mit zwei seriösen Tierärzten und der Tierklinik Ararat, wo unter bescheidensten Verhältnisse manchmal die kompliziertesten Operationen durchgeführt werden, so z.B. die Bauchhaut-Uebertragung bei der Perserkatze, die den halben Rücken geschält hatte (Autounfall oder Misshandlung? Wir wissen es nicht - ) oder das Zusammenflicken eines Beckens bei einer angefahrenen Katze, die man einfach liegengelassen hatte um zu sterben….. Von allen Seiten und unter verschiedensten Umständen kommen Katzen in die Aufnahmestation LARA, die sich hinter der ominösen, verrosteten Blechtür befinden soll, vor der wir stehen, Jacques, Mercedes und ich. LARA, was erwartet mich wohl hinter der ominösen Blechtür??
Und innen knarrt ein Riegel – eine jüngere Frau schiebt sich durch den Türspalt. „I am Loli…..“ Ich bin Loli – und sie umarmt uns alle, in raschem Spanisch bekommt dann Mercedes ein paar Informationen mitgeteilt und wir quetschen uns alle schnell durch den Türspalt – kein Eintrittsraum, wir stehen direkt im „Wohnbereich“ der Patenkatzen – derjenigen Katzen also, die nicht mehr vermittelbar sind, weil sie leukosepositiv sind, bereits erkrankt oder katzenaidspositiv sind…… Auf der einen Seite des kleinen Raumes, in welchem ein steinernes Waschbecken mit Wasserhahn zu finden ist, stehen einige Schäfte, Katzenbettli – und zwei mittelgrosse Gitterkäfige, in welchen auch je eine Katze sitzt, uns mit fragenden, teils ängstlichen Augen anblickt. Es gibt auch eine Art Fenster aus Plexiglas, durch welches die Abendsonne flach hereinfällt. Der Raum selbst ist mit einem Blechdach überdeckt, welches auch die anderen Katzenstationen, kleine enge längliche „Kammern“, durch Hühnergitter voneinander abgetrennt, vor Regen schützt. In den Plexiglas“Fenstern“ der anderen Kammern, die teilweise nicht durchsichtig sind, gibt es viereckige Ausschnitte, durch welche die Katzen in eine Art Innenhof ausschwärmen können. Dieser „Innenhof“ ist einfach der Raum bis zum nächsten ähnlichen Gebäude, welches irgend ein Gewerbe oder gar nichts mehr beherbergt. Einseitig sei das Gelände mit einem Hühnergitterzaun abgeschirmt, erklärt Loli. Das erklärt mir, weshalb ich bei unserer Anfahrt auf den Umfriedungsmauern der Staubstrasse Katzen gesehen habe. Ja, diese gehören auch zu LARA, und sie kämen immer wieder heim – man könne halt nicht alles „ausbruchsicher“ eingittern, das sei verboten….. Somit laufen leider auch Katzen von LARA gewissermassen Gefahr, vergiftet oder erschossen zu werden, die sich einen grösseren „Auslauf“ mittels Sprung über die Mauer verschaffen. Mercedes und Loli versichern uns aber, das käme kaum vor, in 5 Jahren hätten sie nur eine einzige Katze verloren….. Die Katzen, die wir in den engen „Aufnahmeräumen“ antreffen, ergreifen zuerst einmal sicherheitshalber die Flucht, kommen aber wieder und sind samt und sonders zutraulich, lassen sich streicheln, kosen, haben Bettchen, Tablare an den Mauern, auf denen sie sitzen können, Decken, wo sie sich verkriechen können, teilweise sogar Fragmente von Kratzbäumen zum Klettern. Sie haben Futter, Wasser, machen einen gesunden Eindruck. Blosser Betonboden wurde mit irgend einem Harz überstrichen, damit man putzen und desinfizieren kann. Die Zutrittstüren – fast gleich breit, wie die einzelnen Aufnahmekammern, sind ebenfalls aus Gitter, primitiv einfach, ein Holzrahmen, auf den die Gitter genagelt worden sind, manchmal auch eine alte Brettertür. Ein Klavierband als Scharnier und ein Verschluss bestehend aus Haken und Oese oben und unten. Das wenige Geld, das man via Spenden zur Verfügung hat, wird in Futter und Tierarzt umgesetzt, in die Vorbereitung der Katzen auf die Reise. Vorne, im etwas grösseren Raum, dem Lebensplatz der Patenschaftstiere leben in den beiden bereits genannten Käfigen Kalia – die noch etwas problematische sehr grosse Katze aus einem Todesfall, die man möglichst rasch platzieren muss, sowie ein schwarzer Kater, der noch keinen Namen hat. Er ist erst hereingekommen, noch nicht getestet und man weiss auch nicht woher, aber er ist sehr lieb und zutraulich. Ansteckungsgefahr besteht keine, denn FIV und Leukose übertragen sich nur über die Blutbahn, das heisst also via Bissverletzungen….. Die Käfige sind gerade so gross, dass ein kleines Kistli platz gefunden hat, ein Futter und Wassernapf, sowie ein Kissen, auf dem die Tiere liegen können. Mehr Bewegungsfreiheit haben sie nicht. Nach Loli sind sie ja auch „kaum länger, als vier bis sechs Wochen….“ im Käfig……. Aber, wo soll man sie denn unterbringen, wenn keine Quarantäne für die Neuankömmlinge da ist? Sobald der Schwarze getestet ist, darf er in eine der Aufnahmestationen hinten am Patentiere- und Waschraum, der gleichzeitig auch Futterlager, Deckenlager, Bettchenlager ist……. Danach ist der Käfig wieder frei für ein neues Tier. Kalia wird man im Lauf der nächsten Woche auch in eine der Aufnahmestationen einbringen und sehen, ob sie kompatibel ist. Dann ist ein zweiter Käfig frei – zwei weitere Tiere, die überleben dürfen, können dann kommen…..
Im Patentiereraum stehen zwei Transport-Käfige, in ihnen sitzen bereits Sancho, der behinderte Tigerbub, der hier in der Schweiz neurologisch untersucht werden wird, und Constantino, der mit uns fliegen wird und in der Schweiz einen Pflegeplatz hat. Mercedes schreibt flugs auf den nächsten Zettel „Platz für zwei weitere neue Büsi“……. Und lacht uns an.
Ich muss schlucken und schlucken und mir stehen die Tränen zuvorderst. Es ist unvorstellbar für uns Schweizer, die wir den oft sehr gut geregelten Betrieb in einem unserer Tierheime kennen, unter welchen Umständen die Tierschützer in Spanien arbeiten müssen. Alles bei LARA ist improvisiert, aus eigener Hand gearbeitet, Mercedes und Loli haben genagelt, Raum um Raum „gebaut“, Türen eingepasst, verschraubt, Ausschnitte ins Plexiglas gesägt, damit die Katzen ein und ausgehen können, etwas mehr Bewegung haben, als in den kleinen, engen Aufnahmekanälen möglich ist. Alles, was zum „Besitz“ von LARA gehört, sind gestiftete Bettli, Decken, Tücher, Näpfe – alles ist verbraucht, alt – aber SAUBER! Die Tiere sind freundlich, lechzen nach Menschenhänden, die sie kosen, klettern an uns hoch, springen uns in die Arme. Tigerli, rot weisse, schildpattfarbene, schwarze, Siamkatzen. Ich erinnere mich dran, dass ich einmal einen Film von „Torre Argentino“ in Rom gesehen habe am Fernsehen – es wurde dort von grosser Armut und Not gesprochen – auch Torre Argentino ist reiner Luxus gegenüber dem, was ich hier mit eigenen Augen sehe. Befragt nach der Anzahl der Tiere, die zurzeit in LARA leben, antwortet mir Loli, dass es im Moment etwa sechzig Tiere seien….Jacques und ich schauen uns an. Gesehen haben wir vielleicht die Hälfte – Loli lacht uns an – die Sonne scheint, die sind alle draussen und sonnen…….nur, dahin kommen wir nicht und auch Loli oder Mercedes nur mit einer Leiter, die sie von aussen, also von der Staubstrasse her, anstellen und hineinschauen, was immer wieder geschehen muss, wenn mal ein Tier nicht hereinkommt. Mercedes und Loli sehen alle Tiere mindestens einmal im Tag, am Morgen, wenn gefüttert wird. Tagsüber gibt’s aber Trockenfutter, das immer zur Verfügung steht, sowie frisches Wasser. „Im Sommer ist ohnehin keine Katze tagsüber hier drinnen“…. Erklärt uns Loli, es sei dann 50 Grad und mehr unter dem Blechdach……und im Winter? …. Mercedes und Loli schauen sich an, machen traurige Gesichter, ziehen die Schultern hoch … „was sollen wir tun – wir stopfen die Löcher zu, ein einziger Ventilatorheizofen steht zur Verfügung zum Heizen – mehr kann man nicht anhängen, es ist nicht mehr Strom da…….“ Wenigstens sind die Tiere im Geschützten, im Winter drängen sie sich alle in den kleinen Aufnahmeräumen, rücken zusammen, wärmen sich in den zur Verfügung stehenden Bettli und Decken gegenseitig. Der Betonboden ist nicht unterkellert, einfach eine Schicht Beton über der Erde…..unter dem Wellblechdach zieht es herein, die Feuchtigkeit lauert in allen Ritzen und oft sind alle Katzen dann leicht erkältet, einige müssen dann behandelt werden. Für die Patenkatzen aber, die FIV-positiven, Leukosepositiven und auch bereits Kranken ist das dann eine sehr harte Zeit und immer wieder stirbt im Winter eines dieser Tiere aufgrund der fehlenden Heizmöglichkeiten, aufgrund der fehlenden Isolationsmöglichkeiten, aufgrund des Durchzuges, aufgrund des menschlichen Unverstandes…….
Der Kloss in meinem Hals wird immer grösser und ich muss mir verstohlen immer wieder die Tränen abwischen. Jacques streicht mir die Schulter – „ich hab Dir ja gesagt, dass es sehr hart ist, hier….“….. ja, ich habe es geahnt, meinte zu wissen, dass in Spanien keine schweizerischen Verhältnisse herrschen, aber dass unsere spanischen Tierfreunde unter derartigen Umständen arbeiten müssen, ihre Zeit für diese ärmsten unter den armen Tieren opfern – das hätte ich mir unter keinen Umständen vorstellen können!!
Ich bin zutiefst erschüttert aber gleichzeitig voller Bewunderung für das, was diese beiden Frauen leisten – Madridfelina soll mehr Gelder haben, wird mir gesagt, die arbeiten ausschliesslich mit privaten Aufnahmestationen, aber auch dort herrscht Not, wie auch in anderen Aufnahmestationen. Mercedes hat mir einmal in einem Mail geschrieben, dass Jaén „schlecht“ sei und sie dort versuche, möglichst viele Katzen herauszuholen, nach LARA zu bringen. Wie muss es in Jaén wohl aussehen, wenn die Alberghe von LARA für diese Tiere denn ein viel besserer Unterbringungsort ist? Mich schaudert und mein Hals wird noch enger. Mercedes hat wohl gemerkt, dass mir immer wind und weher wird. Sie schreibt mir auf einen ihrer vielen Zettel (leere Papiersäckli, irgendwelche Makulaturblätter, wo sie an den Rand rund herum schreibt, manchmal auf die eigenen Hände innen oder auf die Arme, wenn grad kein Blatt Papier zur hand ist „musst nicht traurig sein, Carin, denk daran, dass sie hier alle überleben dürfen – und viele von ihnen dürfen ja dann in die Schweiz reisen, bekommen ein liebevolles Zuhause! Denk an die bereits 500 Katzen, die Ihr im Katzenportal gerettet habt!“ ……. Und ich bin schon wieder am Heulen. Zuviel Eindrücke haben mich an diesem Tag schon überrollt, der Flug, das Ueberwinden der Angst – und – LARA. Wie glücklich können wir uns in der Schweiz schätzen, die wir nichts von all dem Leid und Elend wissen, die wir uns in einer gewissen Lebensordnung befinden, geregelte Tagesabläufe haben und kaum Not leiden!
Hier in der Alberghe der Organisation LARA schaue ich ins Angesicht bitterster Not. Die beiden Frauen, die hier abwechslungsweise fast rund um die Uhr arbeiten und die Tiere betreuen, eine jede für einen Weg von Zuhause bis zur Alberghe eine Dreiviertelstunde durch das Verkehrsgetümmel von Madrid fahren muss, die den Tieren mit all ihren Kräften helfen und trotz der misslichen Oertlichkeiten einen recht guten Pflegestand für ihre Schutzbefohlenen erarbeitet haben, strahlen eine spezielle Gelassenheit aus, alle Tiere, auch die, welche vor uns zuerst mal davongerannt sind, sich ausserhalb der Gehege in Sicherheit gebracht haben, kommen daher, wenn Loli ruft, wenn Mercedes mit einem Löffelchen auf eines der Fressgeschirre klopft. Sie lassen sich streicheln und hochnehmen, haben Vertrauen und sind gesund. Die Patentiere dürfen überleben, sie haben den grössten Raum zur Verfügung, aber dafür keinen Freilauf, die Ansteckungsgefahr für die anderen, freilaufenden Tiere aus den übrigen Gehegen wäre zu gross……. Ich bin irgendwie enorm erleichtert, als sich die Blechtür hinter uns schliesst, Loli uns umarmt und sich mit ein paar Tränen in den Augen bedankt für unsere Arbeit für die Spanienkatzen, verschwindet wieder hinter der Blechtür im Patenkatzenraum…..
Dann fahren wir zu Mercedes nach Hause, auch ihre Wohnung ist eine Art Aufnahmestation, alle Räume irgendwo abgetrennt mit Kunststoffscherengitter und neu angebrachten Türen, damit die verschiedenen Katzengruppen, die bei ihr leben, nicht alle zusammenkommen. Die eigenen Katzen haben Küche, Vorraum und das Schlafzimmer, Bad und Korridor gehören Cruz, die wegen eines Trommelfellproblems Koordinationsprobleme hat, im Wohnzimmer hausen zurzeit Areta, Cruiss und Pulgosa, die auf ihre Reise in die Schweiz warten, bereits definitiv vorbereitet sind. Mercedes schreibt uns, dass alle Katzen von Lara, die vom Katzenportal reserviert sind, eine Zeit lang bei ihr leben, bevor sie auf die Reise geschickt werden – so kann sie in Ruhe alles vorbereiten. Die Katzen von den anderen Stationen werden meist am Vortag gebracht, manchmal auch mitten in der nacht – das gibt dann „Freinacht“ für Mercedes, die die Tiere ja frühmorgens einchecken muss für den Flug – bei den überbrachten Tieren muss sie ebenfalls alles kontrollieren, manchmal braucht ein Tier noch ein Antiparasitenmittel, ein anderes ist leicht verschnupft, bleibt dann noch eine Weile bei Mercedes, darf nicht fliegen.
Mercedes ist die Seele unserer ganzen Arbeit in Spanien, die ist der Engel für diese Katzen und durch ihr Organisationstalent und ihre enorme Liebe zu diesen oftmals geschundenen Tieren bleiben viele Katzen am Leben, denen der Tod sicher wäre. Mercedes klopft immer wieder die staatlichen Tötungsstationen ab, kauft dort Tiere frei, die kurz vor dem getötet werden stehen, immer soweit ihr Geld eben reicht. Manchmal werden mitten in der Nacht Schachteln mit Katzen vor Mercedes Wohnungstür gestellt und manchmal muss sie spätabends noch ausrücken, ein verletztes Tier abholen, in die Tierklinik bringen, wo man im 24Stundenbetrieb arbeitet. –
Ein anstrengender Tag liegt hinter uns, von Madrid habe ich nichts gesehen. Mit dem Taxi fahren wir am Abend zu einem Platz in der Altstadt von Madrid, wo Jacques ein gutes Restaurant kennt. Der gute spanische Wein, den wir zusammen zu einem kleinen Nachtessen trinken, reicht nicht aus, den Kloss wegzuspülen, der noch immer im Hals steckt.
Am anderen Morgen holt uns Mercedes um halb Neun ab, in ihrem Kleinwagen sind bereits die sechs Transporter mit den Katzen, die mit uns fliegen werden. Sie sind alle mucksmäuschenstill, schauen uns mit teils ängstlichen, teils gelassenen Blicken an, sie wissen wohl schon, was sie erwartet, ahnen vielleicht, dass ihr Leben nun eine entscheidende Wende erfährt. Sie werden nun bis ca. 18.00 in den Käfigen sitzen und die lange Reise hinter sich bringen. –
Eines weiss ich nun genau, sollte ich je unverhofft zu Geld kommen, würde ich hingehen und für Mercedes ein grosses, helles, gut eingerichtetes Tierheim bauen mit einer Wohnung obendrin, Quarantäneraum, vielleicht mit einer angegliederten Tierarztpraxis…..aber leider geschehen die Wunder sooooo selten!
CRU
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Bei der Blechtür gehts hinein zu den Kindern von LARA... Zwischen zwei Stangen ist je eine Aufnahmekammer, Grösse ca. 1,8x2,0 m Der Patentiere Raum - ein Patenkätzli auf dem Lagerschaft Fragmente
von Kratzbäumen stehen den Katzen in den Aufnahmekammern zur |
Unsere Ankunft wird von klugen Augen registriert und "weitergeleitet"... Ein- und Ausgang in den Aufnahmekammern.... Quarantänekäfig..... Auch er ist FIV-positiv und kerngesund Ein sehnsüchtiger Blick einer leukosepositiven Katze folgt uns beim Verlassen der Alberghe von LARA.... |
Diese Tafel
im Eingangsraum/ Patenkatzenraum - in der Ecke links sieht man die Stromzufuhr.... FIV-positiv, aber gesund - doch, wer nimmt ein solches Tier auf?? Mercedes, Kopf, Herz und Seele von LARA, aber auch Seele aller, mit denen wir in Spanien zusammenarbeiten, Ohne sie wären viele viele Tiere, die wir retten konnten, nicht mehr am Leben! |
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Besuch Juni 2008 | |